Gott liebt die Demütigen und Bescheidenen

Bamberg. Demut und Bescheidenheit – zwei Tugenden, die heutzutage oftmals nicht hoch im Kurs stehen. „Das ist auch gut nachvollziehbar“, sagte Erzbischof Herwig Gössl beim Gottesdienst in Bamberg St. Kunigund zum Tag des geweihten Lebens. „Wenn ich etwas erreichen will, dann muss das machen, was ich will, muss meine Ansprüche und Ziele und auch rote Linien benennen.“
Angehörige aus Orden und Gemeinschaften sowie zahlreiche Gläubige waren zum Gottesdienst an Mariä Lichtmess am 2. Februar 2026 nach St. Kunigund gekommen. Einen Tag zuvor hatte der Bamberger Oberhirte mit Ordensleuten in Nürnberg einen Gottesdienst zum „Tag des geweihten Lebens“ gefeiert.
Maximalforderungen statt Bescheidenheit und Demut – sie sind nach der Aussage von Erzbischof Herwig bei Verhandlungen an der Tagesordnung. „Und wenn ich an den Synodalen Weg denke, der in Stuttgart ein vorläufiges Ende gefunden hat, dann fanden sich solche Verhandlungsstrategien auch dort“, so der Bamberger Oberhirte.
Der „robuste Umgang“ untereinander macht nach Gössls Worten das Miteinander nicht friedlicher und erfolgreicher. „Umgekehrt kann die Lösung ja auch nicht darin bestehen, dass die einen immer klein beigeben und denen das Handeln überlassen, die gewohnt sind, sich durchzusetzen.“ Auch das führe nach Aussage des Erzbischofs zu Frustration.
Bescheidenheit und Demut – diese Haltungen hat nach Erzbischof Herwig die weihnachtliche Botschaft wieder in Erinnerung gebracht: „Gott wird Mensch in größtmöglicher Bescheidenheit und Demut. Er lebt die meiste Zeit völlig unscheinbar und stirbt am Ende den schändlichsten Verbrechertod am Kreuz.“ Mit Blick auf das Fest der Darstellung im Tempel macht Gössl deutlich, dass sich Jesus demütig in die Reihe der Menschenkinder stellte. Er habe keine Sonderbehandlung verlangt, habe sich als Mensch ganz und gar hinein in die Regeln und Gepflogenheiten seines Volkes gegeben. „So wird er zum Licht für die Völker, zum Licht, das die Heiden erleuchtet“, so der Erzbischof.
Nach seinen Worten zieht sich Gottes Vorliebe für die Demütigen, Armen und Schwachen durch die ganze Heilige Schrift. Gössl: „Der Apostel Paulus erkennt im Moment seine Berufung, dass Gott das Törichte, Schwache und Niedrige in der Welt erwählt hat, um das Weise, Starke und Protzige zu vernichten.“
Mit Blick auf die Mitglieder der Orden und Glaubensgemeinschaften konstatierte der Bamberger Oberhirte: „Es ist Ihr spezifischer Auftrag, in der Gemeinschaft der Kirche immer wieder diese Priorisierung Gottes deutlich zu machen und allen ins Bewusstsein zu legen.“ So würden die Ordensfrauen und -männer die Demut und Bescheidenheit nicht stellvertretend für alle anderen Christen leben, sondern seien als Impulsgeber ein Stachel im Fleisch. „Denn der Auftrag zu einem christlichen Leben in Demut und Bescheidenheit gilt uns allen“, betonte Herwig Gössl. „Darin leisten wir auch einen wichtigen Dienst in unserer Gesellschaft.“
Der Erzbischof weiter: „Damit Entscheidungen getroffen und Erstarrungen aufgelöst werden können, braucht es die Bereitschaft zu Kompromissen, die Bereitschaft, den eigenen Vorteil hinten anzustellen, die Bereitschaft, die persönlichen Maximalforderungen herunterzuschrauben sowie die Bereitschaft, bescheidener und demütiger im Umgang miteinander zu werden.“ Dieses besondere Charisma, das sich im Ordensleben verdichte, ist laut dem Bamberger Erzbischof „für unser kirchliches, aber auch gesellschaftliches Leben unbedingt notwendig“.
Herwig Gössl: „Nicht die großspurigen Autokraten werden uns in eine gedeihliche Zukunft führen, sondern die bescheidenen und demütigen Dienerinnen und Diener des Herrn, die ihm nahe sind, weil sie seinem Wesen entsprechend ihr Leben gestalten."