Intensiver Austausch mit Erzbischof Herwig

Frühjahrsvollversammlung des Diözesanrats in Vierzehnheiligen
Vierzehnheiligen. Ein intensiver Gedankenaustausch mit Erzbischof Herwig Gössl zu verschiedenen aktuellen Themen am Freitagabend und ein Rückblick auf die Arbeit in den vergangenen vier Jahren – das waren die Hauptpunkte der Frühjahrsvollversammlung des Diözesanrats im Erzbistum Bamberg, zu der rund 50 Delegierte am vergangenen Wochenende im Diözesanhaus Vierzehnheiligen zusammenkamen.
In seinem Eingangsstatement, von der stellvertretenden Diözesanratsvorsitzenden Dr. Eva Russwurm auch scherzhaft „Rede zur Lage der Nation“ betitelt, sagte Erzbischof Herwig, dass die Entwicklungen im Erzbistum nicht unbedingt zu Begeisterungsstürmen hinreißen würden. Als einen erfreulichen Gegentrend sah der Bamberger Oberhirte in diesem Zusammenhang die gestiegene Beteiligung an den Pfarrgemeinderatswahlen am 1. März.
„Es macht aber keinen Sinn zu jammern und zu klagen“, so Gössl. „Entscheidend ist das, was wir beeinflussen können. Als Christinnen und Christen sollten wir schauen, wo wir uns einbringen können und wie wir die Welt vor Ort in unseren Gemeinden und Seelsorgebereichen gestalten.“ Nach seinen Worten werde ein solches Engagement positive Erfahrungen und Reaktionen hervorrufen, „aber auch Dankbarkeit, dass es Menschen gibt, die sich kümmern“. So könne Kirche in unsicheren Zeiten Halt und Orientierung geben.
Als eine „wunderbare Erfahrung“ bezeichnete es Erzbischof Herwig, dass sich immer wieder Menschen ganz bewusst für die Kirche entscheiden. Gössl: „Es ist eine Suche da, die mit Zuversicht erfüllt, auch wenn keine Trendwende sichtbar ist. Die Lage ist durchwachsen, aber nicht hoffnungslos.“
Pastorale Orientierungen
Im Anschluss an den Impuls diskutierten die Mitglieder des Diözesanrats und der Bamberger Erzbischof über die neuen Pastoralen Orientierungen, über ein mögliches synodales Gremium im Erzbistum sowie die gerade stattgefundenen Pfarrgemeinderatswahlen.
Nach den Worten des Erzbischofs sollen die von ihm herausgegebenen Pastoralen Orientierungen den noch immer gültigen Pastoralplan an die heutigen Gegebenheiten anpassen. Herwig Gössl machte dabei deutlich, dass angesichts rückläufiger Finanzen und weniger werdenden pastoralen Personals nicht mehr alles aufrecht erhalten werden kann. „Wenn wir etwas aufgeben, dann nicht, weil es schlecht ist, sondern weil wir es einfach nicht mehr schaffen“, konstatierte der Erzbischof.
Zugleich könne und solle seiner Ansicht nach aber auch neues Leben entstehen, könne es
Rückenwind für das geben, was von den Menschen in den Gemeinden erwartet und erwünscht wird. Gössl: „Vieles wird auch in Zukunft bleiben, aber wir werden nicht mehr alles überall anbieten. Und das bedeutet, dass sich die Pastoral den äußeren Umständen anpassen muss.“
Wortgottesfeiern
In diesem Zusammenhang kam aus dem Gremium die Frage nach der Zulässigkeit von Wortgottesfeiern mit Kommunionspendung. Hierzu machte Erzbischof Gössl deutlich, dass die Eucharistiefeier an Sonn- und Feiertagen das Zentrum ist und bleibt. „Aber wir fördern durchaus auch andere liturgische Formen, und dazu gehören die Wortgottesfeiern.“ Diese seien nicht weniger wert, „aber sie sind etwas anderes als die Eucharistiefeier“.
Nach seiner Aussage ist die Kommunion der „Knackpunkt“, gebe es ein deutliches Votum der deutschen Bischöfe dazu. „Aber die Praxis ist vielfältiger als die Rechtslage“, konstatierte der Bamberger Erzbischof und fügte hinzu: „Ich habe nicht vor, hier etwas mit Gewalt zu ändern.“ So habe es nach seinen Worten schon immer die Möglichkeit der Kommunionspendung an Menschen gegeben, die nicht an einem Gottesdienst teilnehmen konnten. Aber es solle keine Gewöhnung an eine Ausnahmesituation geben. Der Erzbischof ermutigte schließlich dazu, positiv für die Bedeutung einer Wortgottesfeier zu werben.
Von Seiten der Diözesanräte kam in diesem Zusammenhang die Kritik auf, dass zwar viele Wortgottesleiter im Erzbistum ausgebildet werden, dann aber in den Gemeinden nicht zum Einsatz kommen, da es vom Ortspfarrer nicht gewünscht wird. „Lieber fallen Gottesdienste aus, als dass man eine Wortgottesfeier anbietet,“ so die Erfahrung einer Diözesanrätin. Dies führe letztendlich dazu, dass die Wortgottesleiter, die durchaus für ihr Amt brennen, dann ihre Beauftragung nicht mehr verlängern und sich zurückziehen. Nach Herwig Gössls Worten sollte sich das Pastorale Team in einem Seelsorgebereich mit den Wortgottesleitern zusammensetzen und absprechen, wo was notwendig ist.
Ehrenamt
Auch das Ehrenamt war ein Thema im Austausch mit Erzbischof Gössl. Hier kam die Frage, inwiefern es eine Strategie der Bischöfe gebe, Ehrenamtliche künftig stärker in die Pflicht zu nehmen. Herwig Gössl betonte, dass man nicht damit rechnen könne, dass es in Zukunft genügend pastorales Personal geben wird. Insofern dürfe man sich nicht an verschiedenen Fronten abkämpfen, sondern müsse sich auf die Dinge konzentrieren, die anstehen. Jesus habe zu seiner Zeit keine Strategie gehabt, er habe seine Jünger losgeschickt, sie und er seien von Ort zu Ort gegangen, waren mit den Menschen in Kontakt, „und trotzdem ist die Kirche gewachsen“.
Gössl appellierte in diesem Zusammenhang an die Mitglieder des Diözesanrats und die Menschen in den Gemeinden, jesuanisch geprägt und überzeugt unterwegs zu sein und dabei über den Glauben zu reden und ihn zu vertreten.
Für den Bamberger Erzbischof geben dabei die Pastoralen Orientierungen Chancen, vor Ort neu zu denken. „In manchen Gemeinden und Seelsorgebereichen habe ich das Gefühl, dass man wie das Kaninchen vor der Schlange erstarrt, anstatt einmal mutig Neues anzugehen,“ so Gössl. Und er wünschte sich eine bessere Vernetzung, „damit man erfährt, was so alles bei uns im Erzbistum läuft“.
Synodalität
Sollte neben dem Priesterrat und dem Diözesanrat ein weiteres synodales Gremium im Erzbistum Bamberg geschaffen werden oder ist das des Guten zu viel?“ Erzbischof Herwig hat durchaus Vorstellungen, wie Synodalität gelebt werden kann. So hält er es für vorstellbar, dass sich künftig der Hauptausschuss des Diözesanrats an einem Sonntagnachmittag mit dem Priesterrat trifft, um gemeinsam die grobe Linie für die Pastoral im Erzbistum zu besprechen. Auch weitere gemeinsame Themen könnten bei einer solchen Zusammenkunft herausgearbeitet werden, könne geschaut werden, wo etwas im Argen liegt und wo man sich als Christen tätig werden muss.
Synodalität fängt nach den Worten von Erzbischof Gössl aber schon bei der Sitzordnung an. Während beim Diözesanrat es eine eher „konfrontative“ Sitzordnung gebe, gab es bei den Treffen des Synodalen Weges oder auch bei den Konferenzen der Leitenden Pfarrer Tischgruppen oder eine eher „zugewandte“ Sitzordnung. Diese Anregung des Bamberger Oberhirten wurden dann auch am 2. Tag der Vollversammlung des Diözesanrats umgesetzt, so dass sich dann die Gremiumsmitglieder Auge in Auge gegenüber saßen.
PGR-Wahl
Mit Blick auf die Pfarrgemeinderatswahlen empfand es Erzbischof Herwig als sehr positiv, dass sich viele Kandidatinnen und Kandidaten zur Wahl stellten. Angeregt wurde von Seiten des Diözesanrats, künftig die Wahlvorstände in der Wahlordnung zu schulen, da es zum Teil Unsicherheiten gab.
Diözesanratsvorsitzender Dr. Günter Heß sprach die wiederum sehr unterschiedlich hohe Wahlbeteiligung an. So seien in eher ländlichen Gebieten zum Teil über 80 Prozent zur Wahl gegangen, in den Städten waren es zum Teil gerade mal 1,5 Prozent. Insgesamt habe man jedoch eine höhere Wahlbeteiligung als vor vier Jahren verzeichnen können. Diözesanrats-Geschäftsführerin Juliana Sitzmann sagte angesichts der vorliegenden Statistik, dass in 14 von 338 Pfarreien kein Pfarrgemeinderat gewählt wurde, was der Quote der Wahlen von 2022 entspricht.
Kritik übte Heß daran, „dass es leider immer noch Pfarrer gebe, die keinen Pfarrgemeinderat wollen und dies auch sehr offen verkünden. Hierzu bat Erzbischof Herwig, ihm entsprechende Hinweise zu geben, damit er reagieren könne.